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„Es gibt immer einen Weg. Wenn man einen finden will.“

Zum bereits sechsten Mal konnte der Landesverband der Gehörlosen Baden-Württemberg viele Gäste zu seinem Jahresempfang begrüßen. „Wenn das Interesse weiter so steigt, müssen wir bald in die Messehalle ausweichen“, verkündete der Landesvorsitzende Wolfgang Reiner in seiner Begrüßung mit einem Augenzwinkern. Unter den über 100 Gästen konnte er wieder einmal viele Ehrenamtliche aus den Vereinen, viele Kooperationspartner und Unterstützer begrüßen. Unter den Gästen waren auch die Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner, die Landtagsabgeordneten Thomas Poreski, Claudia Martin und Jürgen Keck.

Am Anfang des Abends standen die Grußworte unserer Ehrengäste. Der prominenteste war der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha. Der Minister stellte ein großes Dankeschön an den Anfang seiner kleinen Rede. Er brachte zum Ausdruck, wie unermüdlich der Landesverband der Gehörlosen daran arbeitet, Barrieren in unserer Gesellschaft abzubauen. Der Verband stärke damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das Land werde das auch weiter unterstützen. Der Minister verwies auf die Förderung der Dolmetschervermittlung, mit der gehörlose Eltern die Kosten für Dolmetscher bei den Elternabenden ihrer Kinder erstatten können. Modellhaft wurde diese Förderpraxis nun ausgeweitet. So können nun auch Elternabende an Kindertagesstätten gefördert werden. Das Ziel sei klar: mittelfristig wolle das Land einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme erreichen.

Nachbarschaftliche Grüße überbrachte der stellvertretende Landesvorsitzende des Landesverbands der Gehörlosen Rheinland-Pfalz, Norbert Herres. Ebenso wie die 1. Vizepräsidentin des Deutschen Gehörlosen-Bundes, Elisabeth Kaufmann: „Es gibt immer einen Weg. Wenn man einen finden will“, erklärte sie in Bezug auf das Dauerthema Inklusion. Sie erinnerte sich an eine Zugfahrt vor einiger Zeit, bei der sie einem blinden Mann gegenübersaß. Und trotz ihrer beiden Barrieren fanden sie einen Weg, sich zu unterhalten und zu verstehen.

Hauptrednerin des diesjährigen Empfangs war aber die Rechtsanwältin Judith Hartmann. Hartmann ist die einzige gehörlose Rechtsanwältin Deutschlands. Ihr Thema war „Die UN-Behindertenrechtskonvention in der praktischen Umsetzung“.

Wichtig sei, dass die UN-Behindertenrechtkonvention erstmals klarmachte, dass die Gebärdensprache eine Sprache ist. Zum Recht auf freie Meinungsäußerung gehört daher für die Gehörlosen das Recht auf Verwendung der Gebärdensprache.

Judith Hartmann zeigte dabei auch die vielen offenen Fragen auf. Sehr positiv sei, dass es immer mehr Gehörlose gibt, die studieren. Auch ein Masterstudium wird gefördert oder eine Promotion, aber nur, wenn es in gleicher Fachrichtung ist und nicht zu große zeitlichen Lücken dazwischen gibt. Auch private Weiterbildungen würden nicht gefördert. Und bei der Ausübung eines Ehrenamts solle zuerst auf ehrenamtliche Hilfe zurückgegriffen werden.

Anschließend blickte Moderator und Vorstandsmitglied Andreas Frucht auf das vergangene Jahr zurück und riss die aktuellen Themen an, die für den Landesverband anstehen.

Der Landesverband hat es geschafft, Träger einer EUTB-Beratungsstelle zu werden. Diese werde gerade in der Geschäftsstelle eingerichtet. Zudem fand wieder ein erfolgreiches Wochenende der Gebärdensprache statt mit vielen Veranstaltungen. Auch habe sich der Landesvorstand mit den behindertenpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen getroffen um sich über die aktuellen Themen auszutauschen.

Daran werde man im kommenden Jahr anknüpfen. Man wolle den Studiengang Gebärdensprachdolmetschen endlich eine Stufe weiterbringen umso dem immensen Dolmetschermangel zu begegnen. Desweitern steht der Einsatz für Gehörlosengeld sowie den Rechtsanspruch auf Dolmetscher auf der Tagesordnung.

Den lockeren Abschluss des offiziellen Teils bildete dann ein Quiz. Und zwar im Format des Quiz’ „Jeopardy“. Zwei Teams, ein hörendes und ein gehörloses, spielten Gegeneinander und mussten zu den Antworten, die sie zu sehen bekamen, überlegen, was die passende Frage sein könnte. Dabei lernten nicht nur die beiden Teams, sondern alle Gäste, noch viel Wissenswertes über den Landesverband und die Welt der Gehörlosen. Und am Ende gewannen die Gehörlosen mit 6:5 knapp vor dem Hörenden-Team.

 

Der Jahresempfang fand mit Unterstützung der BARMER Krankenkasse statt.

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